Samstag (Sábado), 08.06.2013:

Wieder klingelt mein Wecker um halb sieben. Nach dem Duschen und Einpacken gehe ich wieder um 7:10 Uhr zum Haupteingang, wo schon die beiden Thüringer und eine Frau aus Österreich mit Ihrer Tochter warten. Der Bus kommt wieder um 7:30 Uhr. Es folgt die Sammlung der Teilnehmer wie gestern und die anschließende Weiterfahrt zum Loro-Park nach Puerto de la Cruz. An einem Hotel an der Costa Adeje steigt ein Ehepaar ein, das sich in die Reihe hinter mir setzt. Mein geschultes Gehör erkennt bereits nach wenigen Worten der beiden den „göttlichen Dialekt“ 2). Wir kommen kurz ins Gespräch, sie kommen aus Pleinfeld und sind mit der gleichen Maschine hergeflogen wie ich – so klein ist die Welt… Um ca. 10:00 Uhr kommen wir am Park an.

Wir sind so ziemlich die Ersten, zumindest von den Bussen, es ist jedenfalls noch nicht sehr viel los. Gleich am Eingang des Parks im so genannten Thai-Dorf (größtes originales Thai-Dorf außerhalb Asiens) wird für 10,00 € eine 1 ¾ Stunden dauernde, so genannte discovery Tour durch den Park mit Blick hinter die Kulissen angeboten. Ich beschließe diese Tour zu machen. Bis zum Beginn um 11:10 Uhr habe ich noch fast eine Stunde Zeit, in der ich nach Weisung einer der Tourführerinnen schon mal ein paar Stationen abklappere. Ich laufe vorbei an den Gorillas, Schimpansen und sehe mir schon mal das Aquarium und den Haifischtunnel an. Hier sind bis jetzt fast keine Leute und man kann schön fotografieren. Die Tour beginnt pünktlich und wir gehen zuerst zu den Gorillas. Der älteste der Gorillas kommt übrigens aus Nürnberg und heißt Schorsch. Seine 41 Gorillajahre entsprechen ca. 110 Menschenjahren. Er ist deshalb auch nicht mehr draußen im Gehege sondern hat seinen Lebensbereich in den hinteren Räumen. Hinten erfahren wir noch etwas über die Ernährung der Gorillas, ihren Tagesablauf und sehen die Schlafräume. Zum Einschlafen bekommen Sie klassische Musik vorgespielt.

Von dort aus geht es weiter zu den Pinguinen. Beim Laufen durch das Pinguinareal kann man in einem Stück des Ganges an Eiswände fassen, um die Kälte der Antarktis nachempfinden zu können. Das Licht ist extrem gedämpft, weil im natürlichen Lebensraum der Pinguine jetzt Winter ist und sie in Freiheit zu der Zeit in nahezu völliger Finsternis leben. Aus der Decke rieselt immer wieder Schnee auf die nachgebildete Landschaft.

Wir sehen weiter die Technikräume, unter anderem die Wasseraufbereitungsanlage, mit Eiweißabscheidern und Filtern, um das aus ca. 65 Meter Meerestiefe hochgepumpte Wasser entsprechend zu reinigen und aufzubereiten. Die Anlage arbeitet völlig natürlich, ohne jegliche Chemie. Wasser wird jede Menge benötigt, alleine im Orca-Becken sind ca. 22 Millionen Liter Wasser, bei den Pinguinen ca. 1,4 Millionen Liter. Bei allen Tieren die wir passieren, sowie während der gesamten Tour erklärt die Tourführerin Details zum Park, wie z.B. dessen Entstehung und Weiterentwicklung. Der Gründer ist ein deutscher, der mittlerweile 76 Jahre alt ist, den Park noch immer leitet und mitten drin wohnt.

Weiter geht es zu den Orcas. Wir können unterhalb des Showareals durch dicke Glasscheiben von unten in das gut  12 Meter tiefe Becken sehen. Hin und wieder sieht man eine Flosse oder einen Teil eines Wals vorbeischwimmen. Wir erfahren noch einiges über die Herkunft der Tiere und der beiden, im Park geborenen Orcas. Wieder an der Erdoberfläche angekommen, gelangen wir durch einen Hintereingang in den Zuschauerbereich. Im Becken sind gerade einige Trainer dabei mit den Orcas zu trainieren. Ich sehe ein wenig zu und mache Bilder und ein kurzes Video. Danach ist die Führung zu Ende und einige Gäste, die schon vorab die Premium-Tour gebucht hatten, gehen zu ihrem inkludierten Mittagessen. Ich nehme dem Lageplan zur Hand und laufe durch den Park zu den restlichen Tieren. Manche, wie der weiße Tiger, liegen nur irgendwo rum, andere wiederum sind sehr aktiv. Mittlerweile sind auch jede Menge Leute im Park (täglich kommen ca. 5.000 Besucher) und so wird es zunehmend schwieriger, nach vorne zu kommen um Fotos der Tiere zu erhaschen. Hin und wieder muss man halt mal etwas schieben, dann kommt man schon irgendwann durch. Die andern machen’s ja auch nicht anders.

Um 13:15 Uhr beginnt die Delfin-Show. Vorher wird eine kurze Papageien-Flugshow gezeigt. Die Tiertrainer Schwimmen mit den Delphinen, werden von Ihnen aus dem Wasser katapultiert oder „surfen“ auf dem Delphin in rasantem Tempo quer übers Becken. Zwei Kinder werden in einem Boot von einem Delphin übers Wasser gezogen. Die Show dauert etwa 20 Minuten. Danach gehe ich zu den Orcas, deren Show um 14:00 Uhr beginnt. Vor der Show werden auf einem großen Monitor in der Mitte des Beckens Bilder der Wale und Infos angezeigt und eine Kamera schwenkt zum Showbeginn durch die Zuschauerreihen und es werden teilweise lustige Kommentare zu anwesenden Gästen eingeblendet. Die vorderen Reihen der Sitze sind als „Splash-Zone“ gekennzeichnet, also setze ich mich lieber mal weiter nach oben. Man kann für die unteren Reihen Regenumhänge kaufen, aber ich glaube, man wird trotzdem noch nass, von Schäden an technischen Geräten mal abgesehen. Vor allem wenn der große Wal, wie ich es im Training vorher schon gesehen hatte, mit der Schwanzflosse das Wasser direkt nach außen wirft, bleibt bis Reihe acht kein Platz trocken. Nach der Orca-Show, die ebenfalls ca. 20 Minuten dauert, laufe ich noch etwas durch den Park, an den Schildkröten, Jaguaren und Alligatoren vorbei bis zu den Flamingos und den Erdmännchen. Abschließend besuche ich um 15:30 Uhr noch die Seelöwen-Show. Ein riesiger Seelöwe macht Spielchen mit dem Trainer und bringt die Zuschauer mit seiner Art und seinem Verhalten immer wieder zum Lachen. Um 15:45 Uhr verlasse ich die Show kurz vor dem Ende, denn wir sollten eigentlich jetzt schon am Bus sein. Da die Show gleich kurz nach dem Parkeingang ist, schaffe ich es spielend bis 15:50 Uhr, einige sind noch später dran und um kurz nach 16:00 Uhr startet der Bus zur Heimfahrt.

Um 18:30 sind wir schließlich wieder am Hotel. Ich gehe erst mal ins Zimmer, packe meinen Rucksack aus und stecke den Kameraakku in die Ladestation. Danach gehe ich auf die Terrasse. Hier laufen mit plötzlich wieder Nicole und Michael über den Weg, die zum Abendessen wollen. Nachdem ich heute weder gefrühstückt noch Mittag gegessen habe gehe ich kurz darauf auch in den Speiseraum. Heute gibt es Wolfsbarsch (mit kaum Gräten – *freu*), allerlei verschiedenes Gemüse, Salat und natürlich… klar, Papas Arrugadas mit … AAAHHHHHHH wo sind die Mojo-Soßen? Bislang standen die beiden Schüsseln immer direkt neben der Schale mit den Kartoffeln… Ich werde panisch, sehe mich um, wie soll ich nur die Kartoffeln ohne Mojo essen??? Plötzlich fällt mein Blick auf eine kleine Kühltheke gegenüber, dort stehen mehrere Schüsseln. Ich steuere zielgerichtet darauf zu und – Hurra! Die Mojo‘s sind dabei. Leute, das war ein schlechter Scherz… 🙂

Nach dem Essen will ich noch schnell meine Kamera holen, und mich dann mit Nicole und Michael auf der Terrasse treffen. Bei der Rückkehr ins Zimmer dann der Schock – ich kann mit meiner KeyCard meine Türe nicht mehr öffnen – na toll! Die andere steckt innen, damit der Strom an bleibt, um den Kameraakku zu laden. Also wieder zurück zur Rezeption. Dort wird die Karte neu aktiviert und ich kann die Türe wieder öffnen – puh… Ich gehe also mit Kamera nach unten und setze mich zu den beiden, die schon auf mich warten. Wir holen uns Sangria, Ron Miel (Rum mit Palmenhonig) und das ein- oder andere Getränk von der Bar und lassen den Tag langsam ausklingen. Das bestellen auf Spanisch wird immer besser, einige Fehler werden mir direkt aufgezeigt – also „learning by doing“, wie der Franke sagt. 🙂

Diesmal schaffe ich es auch den Sonnenuntergang zu fotografieren. Wir sitzen noch bis ca. 22:00 Uhr auf der Terrasse und tauschen u.a. unsere heutigen Tourerlebnisse aus. Nicole und Michael gehen dann in ihr Zimmer und ich bestelle mir noch einen Whiskey als „Absacker“ und gehe um halb elf ebenfalls ins Zimmer. Ich sitze noch kurz auf meinem Balkon, blicke aufs Meer (man erkennt es zwar nicht, nur auf La Gomera brennt irgendwo Licht) und lausche der, von einem weiter unter liegenden Areal heraufdringende, spanischen Folkloremusik, nur mit wunderbar klangvollem Gitarrensound und Gesang. Daneben zirpen die Grillen durch die Nacht. Es ist einfach wundervoll! Gekrönt wird das Ganze von einem kleinen Feuerwerk aus der Richtung, aus der die Musik erklingt. So nimmt dieser Tag auch sein verdientes Ende.