Montag (Lunes), 10.06.2013:

Nach dem vorgezogenen Frühstück stehe ich um 7:10 Uhr vor dem Hotel und warte auf den Bus. Der ist diesmal schon um 7:15 da, wartet aber bis 7:25 Uhr, bis er wieder abfährt. Nun geht es den üblichen Weg zum Hafen von Los Cristianos. Die Tour ist diesmal dreisprachig (spanisch, deutsch und englisch) und der Reiseleiter ist ein Niederländer – eine lustige Konstellation, aber der Typ ist gut drauf. Wir bekommen im Bus unsere Tickets für die Fähre und steigen aus dem Bus aus. Auf der Fähre angekommen suche ich mir einen Platz ganz vorne am Fenster und genieße die ca. einstündige Überfahrt nach La Gomera, in den Hafen der Hauptstadt San Sebastián de la Gomera. Dort angekommen steigen wir aus und warten, bis der Bus aus den Tiefen der Fähre herauskommt und wir wieder einsteigen können.

Wir fahren die Serpentinenstraßen hoch zum Nationalpark Garajonay, der unter UNESCO-Weltkulturerbe steht. Neben den Straßen zieht eine faszinierende Landschaft an uns vorbei, die mit zunehmender Höhe immer grüner wird. Wir fahren bis auf eine Höhe von ca. 1.200 Metern und  befinden uns direkt in den Wolken. Ein interessantes Naturschauspiel. Auf dem Weg machen wir ein paar Fotostopps an interessanten Aussichtspunkten. Oben gibt es einen großen Kinderspielplatz, feste, gemauerte Grillstätten und eine bewirtschaftete Location mit Toiletten, an denen man aufgrund der vielen Touristen, die mit Bussen hier her kommen, natürlich anstehen muss. Leider komme ich diesmal nicht darum herum diese Örtlichkeit hier aufzusuchen, denn die Natur verlangt ihr Recht… 🙂 Bei den Herren geht es ja zum Glück relativ zügig voran. Allerdings scheint es mit dem Anlauf der Pinkelbecken ein Problem zu geben, denn die stehen mittlerweile bis zum Rand vollgelaufen. Das ist nicht toll, aber zum Glück kann ich in eine gerade frei werdende Kabine huschen, in der der Ablauf funktioniert. Danach gehe ich den Wanderweg entlang durch den Lorbeerwald. Es ist trotz der ganzen Leute, die hier herumlaufen, sehr ruhig und der Wald strahlt eine unheimliche Ruhe aus. Die Temperaturen sind hier natürlich etwas geringer, aber durchaus auf kurzärmlig noch erträglich. Auf dem Wanderweg begegne ich den beiden Pleinfeldern wieder, die mit einem anderen Bus unterwegs sind. Wir wechseln nochmals ein paar Worte über die Landschaft und die Tour und gehen dann wieder unserer Wege.

Der Spaziergang durch den Wald dauert etwa eine halbe Stunde, danach geht’s wieder mit dem Bus weiter. Es folgen noch einige Fotostopps und der Reiseleiter erklärt sehr ausführlich viele Details der Insel. Er muss alles dreisprachig erklären, was er aber absolut perfekt hinbekommt. Meiner Vermutung nach macht er das heute nicht das erste Mal… 🙂 Im Besucherzentrum des Nationalparks halten wir nochmals. Dort sind in einem schönen Garten allerlei Gewächse und eine Wetterstation zu sehen, es gibt ein Art Museum und eine kleine Bäckerei, in der verschiedene Kekse frisch gebacken und einzeln oder als Mischbeutel verkauft werden. Auf der Weiterfahrt kommt uns plötzlich ein Jeep-Konvoi entgegen. Ich denke, dass könnte die Tour sein, bei der sich Nicole und Michael befinden, auch wenn ich sie in den Fahrzeugen nicht erkennen kann.

Um ca. 13:30 Uhr treffen wir in einem gemütlichen Lokal zum Mittagessen ein. Wir bekommen eine Gemüsesuppe mit Gofio (aus gerösteten Getreidekörnern hergestelltes Mehl, Anm. d. Verf.). Danach Rinderschmorfleisch mit Reis und Gemüse und zum Abschluss ein Eis. Das Essen schmeckt vorzüglich. Während des Desserts wird uns die Pfeifsprache „El Silbo“ vorgeführt. Die Ureinwohner haben sich damit über Distanzen von mehreren Kilometern verständigt. Auch „El Silbo“ steht auf der UNESCO-Liste der zu schützenden Weltkulturgüter  und wurde ab 1999 an den Grundschulen in La Gomera als Pflichtfach wieder eingeführt.

Nach dem Mittagessen besichtigen wir noch eine Obst- und Bananenplantage. Es ist sehr interessant, was dort für Früchte angebaut werden und hier erfahren wir, dass eine Bananenpflanze nur ein einziges Mal Früchte trägt und es wird endlich die alles umfassende Frage beantwortet, warum die Banane krumm ist. 🙂

Wir fahren dann weiter über Serpentinenstrecken hinunter in die Hauptstadt zum Hafen, wo wir noch einige Zeit verweilen können. Neben zahlreichen Läden und Cafés gibt es hier u.a. das Haus, in dem Christoph Kolumbus im Jahr 1492 auf seiner letzten Zwischenstation gewohnt hat, bevor er zu seiner Reise nach Indien aufbrach. Auch eine Kirche ist dort vorzufinden. Auf dem Weg durch die Straße sehe ich in einem Café das Ehepaar aus Pleinfeld sitzen. Erneut reden wir kurz und es stellt sich heraus, dass die Frau eine gute Freundin der Leiterin der Bürgerwerkstatt ist, über die ich schon einige Brot- und Pizza-Backkurse abgehalten habe und sie sich sogar schon mal zu einem meiner Kurse anmelden wollte. Die Welt ist einfach nur verrückt, oder?

Nach dem kurzen Plausch laufe ich noch etwas weiter, mache ein paar Bilder und gehe kurz in einen Laden, um zu sehen, ob ich evtl. noch ein Mitbringsel finde. Just in diesem Laden stehen – wer hätte es gedacht – Nicole und Michael. Nach einer weiteren kurzen Unterhaltung mit Verabredung für den Abend in der Hotelbar muss ich dann auch schon los zum Hafen und auf die Fähre. Diese fährt um 16:55 Uhr ab. Nach der Überfahrt laufe ich zu unserem Bus. Dort werde ich an einen anderen Bus verwiesen. Wir kommen um ca. 19:15 Uhr am Hotel an. Hier geht’s kurz ins Zimmer, dann zum Buffet und anschließend in die Hotelbar. Der Tag war lang. Ich treffe wieder auf Nicole und Michael, wir spielen noch ein paar Runden UNO und unterhalten uns über die unterschiedlichen Durchführungen der La Gomera-Touren. Ich denke mit dem Jeep ist es durchaus nicht uninteressant, wenngleich die auch die Obstplantage nicht mitgenommen hatten. Aber die Aus- und Einsteigerei beim Bus nervt schon irgendwann… Wir lassen den Tag bei Ron Miel und diversen anderen Getränken ausklingen…