Freitag (Viernes), 07.06.2013:

Mein Handywecker klingelt um kurz nach halb sieben. Ich stehe um 6:45 Uhr auf, gehe unter die Dusche und mache ein kurzes Frühstück mit meinen gestern eingekauften Waren. Leider ist beim Wasserkocher in meinem Zimmer nur Tee und Zucker, aber kein Kaffeepulver. Für Tee reicht die Zeit nicht, also eben kein Frühstücks-Heißgetränk heute.

Um 7:10 Uhr stehe ich schließlich vor dem Hotel um auf den Bus zu warten. Aufgrund meiner damals ersten Tour-Erfahrung auf Lanzarote wollte ich diesmal lieber zeitig genug da sein. Und tatsächlich kam der Bus natürlich ca. zehn Minuten zu spät, also um 7:30 Uhr… Auch gut, schließlich bin ich im Urlaub und habe Zeit. Ich setze mich in die vorletzte Reihe, direkt nach der hinteren Bustüre in Fahrtrichtung rechts ans Fenster.

Nun  klappern wir die diversen Hotels bis Los Christianos ab und laden alle Tourteilnehmer nach und nach ein. Die Reiseleiterin plant die Busbesetzung sehr detailliert, weil  der Bus komplett besetzt sein wird und sie die Familien mit mehreren Personen nicht auseinanderreißen möchte, wie sie mir erklärt. Das hat zur Folge, dass mein Rucksack erst mal auf dem Nachbarsitz landet und dort als Platzhalter umfunktioniert wird. Es würde zuletzt noch eine dreiköpfige Familie einsteigen, die bekämen denn die beiden durch den Rucksack freigehaltenen Plätze sowie den einen neben mir. Mit zunehmender Zahl der Businsassen delegiert sie immer mehr die Sitzplätze, bis sie letztlich besagte Familie nach hinten durchführt und mir meinen Platzhalter-Rucksack wieder überlässt.

Die Familie besteht aus einem älteren Ehepaar und deren, wie ich später erfahre, 14-jährigen Enkel. Ich biete ihm den Fensterplatz an, was er aber zunächst ablehnt, na gut – wie er will, dann muss er eben am Gang sitzen. Die Großeltern setzen sich auf die beiden Sitzplätze auf der linken Busseite.

Nun geht es los zum Teide (höchster Berg Spaniens mit 3.718 Metern). Die Einsammelaktion hat etwas über eine Stunde gedauert – egal, ist ja Urlaub! – und die Fahrt zum Teide dauert nochmal eine gute Stunde, wir kommen gegen 10:00 Uhr dort an. Hier besteht die Möglichkeit, mit der Seilbahn (Teleférico del Teide) noch weiter nach oben zu fahren. Wir sind der erste Bus, lediglich ein Paar PKWs stehen schon auf den Parkplatz, was bedeutet, dass wir sehr schnell unsere Tickets bekommen und nach oben fahren können. Wir haben hier insgesamt eineinhalb Stunden, also bis 11:30 Uhr Zeit, dann fährt der Bus weiter. Im Falle des Zuspätkommens droht die Reiseleiterin, dass ab fünf Minuten Verspätung der- oder diejenige ein Lied vorsingen muss, ab zehn Minuten zusätzlich dazu tanzen und ab mehr als 15 Minuten sich dort umsehen kann, wo bis dahin der Bus stand. 🙂

Die Seilbahn besteht aus zwei Gondeln, die nebeneinander abwechselnd nach oben und unten fahren. Sie führt von der Basisstation (2.356 Meter Höhe) zur oberen Station auf 3.555 Meter und legt dabei eine Wegstrecke von knapp  2,5 km sowie fast 1.200 Höhenmeter zurück. Es passen ca. 40 Personen in jede Gondel und die Fahrzeit beträgt ca. acht Minuten. Beim Passieren des ersten Stützpfeilers beginnt die Gondel zu schaukeln und es gibt ein kurzes Getümmel, weil jeder versucht sich festzuhalten oder abzustützen. Bei den nächsten Pfeilern wissen dann alle Bescheid und jeder kann sich schon vorher entsprechend festhalten. Das Wetter ist heute spitzenmäßig und man hat von dort oben eine tolle Aussicht. Teilweise sieht man die Wolkendecke von oben, wie aus dem Flugzeug, nur anders. 🙂

Neben der oberen Seilbahnstation gehen insgesamt drei Wege weg. Einer der Wege (Nr. 10: Aufstieg über den Telesforo-Bravo-Pfad auf den Teide-Krater) führt die restlichen gut 150 Höhenmeter bis komplett zum Gipfel hoch. Dazu muss man eine spezielle Genehmigung einholen, die wir natürlich nicht haben. Täglich dürfen max. 200 Personen dort hinaufsteigen. Da die Tour zudem nicht ganz in unserem Zeitlimit liegt, wählen wir einen anderen Weg, nämlich Nr. 12: Die Route Mirador Pico Viejo, die über der Südflanke der Insel entlang zum Aussichtpunkt auf den ursprünglich ersten Vulkan Pico Viejo führt. In der wild herumliegenden Lava sind Wege gebahnt, die sich auf und ab durch das unwegsame Gelände schlängeln. Vom Aussichtspunkt aus kann man die Insel La Gomera, etwas weiter dahinter bei guter Sicht auch El Hierro und La Palma sehen. Von unserer Gruppe gehen nur der Junge mit seinen Großeltern und ich diesen Weg. Der Rest ist dann wohl entweder den anderen Weg (Nr. 11: Tour Mirador de la Fortaleza, entlang der Nordostflanke) gelaufen oder hatte  keinen Bock – keine Ahnung… Wie ich am Dialekt erkennen kann sind die drei aus dem Schwabenland (spontan fällt mit dazu Willi Astors Schwabenlied „Wart amol gschwind“ 1) ein). J Ich erfahre, dass Sie aus der Nähe von Stuttgart kommen und die Großeltern mit Ihrem Enkel nach dessen Konfirmation verreist sind. Auch eine schöne Sache, wie ich finde. Hin und wieder fotografiere ich die drei zusammen mit Ihrer Kamera, dass sie auch mal gemeinsam auf ein paar Bildern sind. Etwas erstaunt war ich anfangs, dass der Junge, er heißt „Frieder“ (Kurzform von Friedrich), hier im Urlaub ist, wo doch eigentlich in Deutschland Schule sein sollte. Ich frage ihn und erfahre, dass er Waldorfschüler ist, und die dort drei Wochen Pfingstferien haben. Praktische Sache das! Er ist ein sehr netter und cooler Typ und wir unterhalten uns auf der Busfahrt, sofern die Tante vorne am Mikrofon mal zwischendurch aufhört zu reden, über das eine und andere.

Mit der uns anhängigen deutschen Gründlichkeit sind wir nach der Herunterfahrt mit der Gondel, bei der Frieder, der vorne am Fenster steht und damit die bessere Sicht hat, mit meiner Kamera freundlicherweise noch ein paar Bilder macht (an dieser Stelle nochmal Danke dafür!), Punkt 11:30 Uhr wieder am Bus. Nachdem die Reiseleiterin alle durchgezählt hat (das ist fast wie in der Schule…) geht es weiter. Ab jetzt darf Frieder im Bus am Fenster sitzen.

Wir halten noch an ein paar weiteren Punkten um Fotos zu machen. Während der gesamten Fahrt erklärt die Reiseleiterin jede Menge Details, die sich in der kurzen Zeit zwar kein Mensch alle merken kann, die aber durchaus interessant sind. Z.B., dass sich die durch Waldbrände zerstörten Bäume oder anderen Pflanzen innerhalb kürzester Zeit wieder nahezu völlig regenerieren können. Die Ergebnisse kann man links und rechts der Straßen sehen. Der letzte Ausbruch eines Vulkans auf Teneriffa war übrigens 1909, hoffen wir mal, dass es zumindest noch eine Woche so bleibt… 🙂

Bei einem letzten Stopp bekommen wir Bananenlikör und Rum-Palmenhonig-Likör zum Probieren. Außerdem stehen Brot und Mojo-Soßen sowie Kaktus- und Feigenmarmelade zur Verkostung bereit. Ich kaufe, damit ich nicht mit ganz leeren Händen heimkomme, ein Set aus Mojo Rojo und Mojo Verde sowie ein kleines Glas Palmenhonig. Die Busfahrt führt nun zurück über die Serpentinenstraßen nach Los Gigantes, wo ich um ca. 14:00 Uhr als erster wieder am Hotel aussteige, die anderen Gäste haben nun noch bis zu gut eine Stunde Fahrt in Ihre Hotels vor sich. Ich verabschiede mich von Frieder und seinen Großeltern und wünsche ihnen noch einen schönen Resturlaub und einen guten Heimflug, was sie ebenso zurückgeben. Ich gehe voller neuer Erfahrungen und zufrieden über eine zwar nur kurze, aber sehr nette neue Bekanntschaft ins Hotel und der Bus fährt mit den restlichen Tourteilnehmern seines Weges.

Zurück im Zimmer packe ich zuerst mal meinen Rucksack aus und gehe dann eine Kleinigkeit essen. Neben den obligatorischen Papas Arrugadas gibt es heute Schweinebraten (in Scheiben geschnitten und in einer nicht näher zu definierenden weißlich-transparenten Soße), Fisch und dazu wieder einen bunten Gemüsemix (Broccoli, Karotten, Bohnen, Zwiebeln, Erbsen) und ein Gemüse das „Rüben“ genannt wurde, m.E. aber eher Kohlrabi war. Das Essen wird begleitet von una copa vino tinto y una agua minerale con gas (= ein Glas Rotwein und ein Wasser mit Kohlensäure). Danach ein paar der feinen Dessertspezialitäten. Beim o.g. Schweinebraten gibt es heute allerdings Abzüge. Zwar hat der im Gegensatz zum Fisch keine Gräten, aber geschmacklich kann dann doch eher der Fisch punkten. Abschließend finde ich mich unten in der Bar Tenerife ein und trinke noch einen Kaffee.

Dabei treffe ich auf die beiden, mit denen ich am Mittwochnachmittag gemeinsam in dem Hotelbuggy zum Zimmer gefahren wurde. Sie heißen Nicole und Michael, kommen aus Bad Hersfeld und waren heute im Siam Park (Europas größter Wasserrutschenpark). Sie haben einen Mietwagen und machen daher die Touren auf eigene Faust. Das hat offenbar durchaus seinen Sinn, wie mir die beiden eindringlich schildern. Für einen zukünftigen Urlaub denke ich diese Option ebenfalls an. Wir trinken noch einen Kaffee, erzählen noch ein wenig von unseren Ausflügen und die beiden holen sich in der Snackbar am Pool etwas zu essen, weil die Mittagessenszeit schon vorbei ist. Ich trinke noch ein Tonic-Water und gehe dann erst mal zurück ins Zimmer, meine Erlebnisse niederschreiben. Draußen in der Sonne ist es jetzt eh viel zu heiß, im Schatten meines Balkons jedoch äußerst angenehm. Die Minibar im Zimmer ist frisch aufgefüllt und inklusive, so muss ich auch keinen Durst leiden. Nach getaner Schreibarbeit gehe ich gegen 19:30 Uhr wieder auf die Terrasse und setze mich mit einem Radler an einen Tisch. Am Himmel ziehen dunkle Wolken auf, was hier aber niemanden interessiert.

Nach einiger Zeit kommen Nicole und Michael zu meinem Tisch und setzen sich zu mir. Wir unterhalten uns über allerlei Dinge und trinken das ein- oder andere Getränk. Wir beobachten einen atemberaubenden Sonnenuntergang, es sieht teilweise aus, als würde der Himmel brennen. Bei den immer dunkler werdenden Wolken wären die Leute in deutschen Gefilden wohl längst geflüchtet…

Nicole und Michael machen morgen die Wanderung in der Masca-Schlucht und müssen, wie ich auch, zeitig aufstehen. Wir sitzen noch bis ca. 22:30 Uhr und verabschieden uns dann. Ein sehr schöner und abwechslungsreicher Tag geht damit zu Ende.